Braucht der Wintergarten selbst eine Baugenehmigung?
Das hängt von Größe und Abstand ab. In Niedersachsen sind nach Nr. 1.8 im Anhang zu § 60 NBauO Wintergärten mit nicht mehr als 30 m² Brutto-Grundfläche und 5 m Höhe verfahrensfrei, wenn sie mindestens 3 m Abstand zur Grenze des Nachbargrundstücks einhalten. In NRW sind nach § 62 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe g BauO NRW Wintergärten bis 30 m² Brutto-Grundfläche bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 verfahrensfrei, ebenfalls mit mindestens 3 m Abstand zur Nachbargrenze. Ist der Wintergarten größer oder steht er näher an der Grenze, brauchen Sie einen Bauantrag. Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei. Bebauungsplan, Gestaltungssatzung und Denkmalschutz gelten trotzdem. Das Klimagerät selbst ist in beiden Ländern verfahrensfrei, Einzelheiten stehen im Ratgeber zur Genehmigung.
Warum ist die Kühllast im Wintergarten so hoch?
Weil fast alle Flächen aus Glas sind. Sonnenstrahlung geht durch das Glas, wird im Raum zu Wärme und bleibt dort. Nach Baunetz Wissen muss die Planung deshalb für eine ausreichende Be- und Entlüftung im Sommer sorgen, damit keine Überhitzung entsteht. Eine Sonnenschutzverglasung bezeichnet Baunetz Wissen als Mindestmaßnahme, die bei stark besonnten Flächen gegen Überhitzung nicht ausreicht. Die Faustwerte für normale Zimmer, etwa 60 bis 100 W je m² nach Daikin, gelten für einen Wintergarten nicht ohne Weiteres. Daikin nennt Fenster und Sonneneinstrahlung ausdrücklich als Einflussfaktoren. Ein Wintergarten nach Süden braucht deshalb mehr Leistung als ein gleich großes Wohnzimmer. Lassen Sie die Kühllast vom Fachbetrieb berechnen und geben Sie dabei Ausrichtung, Verglasung und vorhandene Verschattung an.
Welche Verschattung und Lüftung helfen im Wintergarten?
Verschattung von außen wirkt am besten. Das schreibt Baunetz Wissen zu Wintergärten, und auch die Verbraucherzentrale NRW nennt Sonnenschutz von außen am wirksamsten. Geeignet sind Markisen, Rollos oder Jalousien auf dem Dach und an den Seiten. Innenliegender Sonnenschutz hat laut Verbraucherzentrale nur eine beschränkte Wirkung. Für die Lüftung empfiehlt Baunetz Wissen Zuluftöffnungen im unteren Bereich und die Entlüftung am obersten Punkt. So kann warme Luft nach oben abziehen. Pflanzen verschatten zwar, reichen laut Baunetz Wissen aber meist nicht aus. Erst wenn Verschattung und Lüftung funktionieren, kann eine Klimaanlage wirtschaftlich arbeiten. Sonst kühlt sie gegen die volle Sonne an. Planen Sie beides zusammen und fragen Sie den Wintergartenbauer, welche Verschattung zu Ihrer Konstruktion passt.
Wo kommen Innengerät, Leitungen und Kondensat hin?
Am einfachsten an der massiven Hauswand im Wintergarten. Dort lässt sich die Kernbohrung setzen, laut Mitsubishi-Anleitung mit 65 mm Durchmesser und leichtem Gefälle nach außen. Glasflächen und Profile des Wintergartens sind dafür nicht gedacht. Der Kondensatschlauch muss mit Gefälle, ohne Knicke und Schlaufen verlegt werden. Klären Sie, wohin das Wasser abläuft, etwa in einen Regenwasserablauf oder ein Beet. Das Außengerät steht am besten im Schatten und nicht direkt neben dem Wintergarten in praller Sonne. Planen Sie auch den Weg zum Nachbarn ein. Abstände und Lärmwerte erklärt der Ratgeber zur Lautstärke.
Kann die Klimaanlage den Wintergarten auch heizen?
Ja, Split-Geräte mit Heizfunktion arbeiten als Luft-Luft-Wärmepumpe. Das Haier-Modell Pearl heizt laut Datenblatt bis minus 15 °C Außentemperatur, ebenso Panasonic TZ35 und Daikin Sensira. Ob das sinnvoll ist, hängt von der Nutzung ab. Baunetz Wissen beschreibt den unbeheizten Wintergarten als klimatische Pufferzone, wenn er thermisch von den Wohnräumen getrennt ist. Wird er dauerhaft beheizt, verliert er über das Glas viel Wärme. Für einen gelegentlich genutzten Wintergarten im Frühling und Herbst kann das Heizen mit dem Split-Gerät trotzdem praktisch sein. Eine KfW-Förderung gibt es nur, wenn das Gerät überwiegend heizt und weitere Bedingungen erfüllt. Diese stehen im Ratgeber Heizen und Förderung.


